Menschen für Menschen - Studenten entwerfen Typenschule für Äthiopien
Die Studentengruppe am Lehrstuhl für Baukonstruktion und Baustoffkunde lädt ein zum
Exkursionsfest "Typenschule für Äthiopien"
Donnerstag, 14. Mai 2009 um 19.00 Uhr
TU München, Fakultät für Architektur, Raum 4140A, Arcisstraße 21, 80333 München
Veranstalter: Lehrstuhl für Baukonstruktion und Baustoffkunde
Mit Unterstützung von CAD-Solutions - Graphisoft Center München
Beim Exkursionsfest sollen die Mitstudenten mittels Diashow und Berichten einen Eindruck von Exkursion und Projekt bekommen. Der Reinerlös der Veranstaltung geht als Spende an die Hilfsorganisation "Menschen für Menschen".
Der Lehrstuhl für Baukonstruktion und Baustoffkunde bietet den Architekturstudenten/innen im Studienjahr 08/09 einen Oberstufen‐Vertiefungsentwurf mit einem angegliederten Ergänzungsfach Baustoffkunde an.
"Menschen für Menschen", eine Entwicklungshilfe Organisation, fördert unterschiedlichste Projekte in Äthiopien. Ein Baustein ihrer Entwicklungshilfe ist der Schulbau. Derzeit wird in allen Regionen des Landes der gleiche Schultyp aus großteils importierten Baumaterialien wie Zement (Stahlbeton) und Stahl realisiert. Mit der Fragestellung, wie dieser Schultyp hinsichtlich Konstruktion und Baukosten optimiert werden kann, ist die Organisation "Menschen für Menschen" (MfM) auf den Lehrstuhl zugekommen.
Im Entwurf soll ein Schultypus, beruhend auf den regionalen Gegebenheiten, entwickelt werden. Im Fach Baustoffkunde sollen die in der landestypischen Architektur verwendeten Baumaterialien auf ihre bauphysikalischen Eigenschaften, Verarbeitung, gestalterischen Möglichkeiten und Angemessenheit hin untersucht werden. Die traditionelle Bearbeitung regional vorhandener Baumaterialien soll Ausgangspunkt für experimentelle Materialverarbeitung und Materialausdruck sein.
Im Wintersemester 08/09 wurde in beiden Fächern themenbezogen recherchiert, erste Entwurfskonzepte entwickelt und eine Exkursion vorbereitet und durchgeführt. Während der Reise in Äthiopien wurde bei den von der der Stiftung Menschen für Menschen errichteten Schulen im Vergleich zu der ansonsten im Land gesehenen Bauten eine besonders gute Bauqualität und ein dadurch bedingter geringer Wartungsaufwand deutlich. Bei der Vertiefung des Entwurfs im Sommersemester soll diesen beiden Aspekten neben der materialgerechten Konstruktion besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Der anfangs formulierte Gedanke, dass regionale Bauweisen durch Anwendung in funktionalen‐ und klimagerechten Entwurfskonzepten neue Wertschätzung erfahren können, wird nach der Reise differenzierter beurteilt. Für die in Äthiopien gesehenen einfachen ländlichen Bauten, aber auch für einige der traditionellen Bauten, kann die fehlende Dauerhaftigkeit zweifelsohne bemängelt werden. Unter diesem Aspekt sind traditionelle Bauweisen aus Lehm, Naturstein, Eukalyptus, Bambus, Gras und Stroh zu modifizieren, zu verfeinern und mit Unterstützung "moderner" Baukonstruktionen und ‐Materialien zu kombinieren, dass eine konstruktiv und gestalterisch eigenständige Architektur entsteht.
Gerade hierin könnte die Chance liegen, für die Materialien der traditionellen Architektur neue Akzeptanz zu wecken. Materialgerechtere Verarbeitungen und Konstruktionen sind hierfür Voraussetzung. Bestätigt und verdeutlicht hat sich auch die Notwendigkeit der einfachen Konstruktion, da Infrastruktur und die Verfügbarkeit von Maschinen als Herausforderung betrachtet werden können. Ungelernte Arbeitskräfte könnten einfache Konstruktionsverfahren erlernen und anschließend als Multiplikatoren innerhalb von Gemeinden helfen sich bewährende Neuerungen zu verbreiten.
Zum Thema "Afrika" siehe auch folgende Beiträge auf unserer Webseite:
Spacial Solutions in der Architekturgalerie München: RWANDA - AN AFRICAN WAY
Schulbauprojekt in Simbabwe: Filmpremiere "part II_ learning from the roots"
"AUSGEWANDERT" - Volles Haus in der Architekturgalerie München
Einladung: "AUSGEWANDERT" - Münchner Architektinnen und Architekten berichten
Orange Farm - Studenten der TU München bauen Kindergarten in Südafrika
Menschen für Menschen:
Ende Oktober 1981 reiste Karlheinz Böhm zum ersten Mal nach Äthiopien und besuchte ein Flüchtlingslager mit etwa 1.500 Halbnomaden des Stammes der Hauiwa in Babile / Ost-Äthiopien. Gemeinsam mit ihnen begann das erste Projekt im ca. 30 km entfernten Erer-Tal, wo die Flüchtlinge in vier neue Dörfern siedeln konnten.
Heute betreibt Menschen für Menschen in neun Regionen Äthiopiens integrierte ländliche Entwicklungsprojekte. Das Prinzip der "integrierten ländlichen Projekte" hat die Stiftung entwickelt, um dauerhafte und tragfähige Veränderungen anzustoßen. Gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung werden Maßnahmen in den unterschiedlichen Projektbereichen ganzheitlich angegangen und miteinander verzahnt. Diese schließen agro-ökologische Projekte, den Bau von Brunnen, Mädchenwohnheimen und Schulen ebenso ein wie den Ausbau des Gesundheitswesens und immer intensiver auch Ausbildungsprogramme und aufklärende Maßnahmen zur Besserstellung der Frauen in der Gesellschaft. Darüber hinaus gibt es in weiteren Gebieten Infrastruktur- und Einzelprojekte. In Äthiopien sind über 780 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (darunter nur fünf Europäer) im Einsatz.
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